Blog-beiträge Textschnipsel

Hier sind die älteren Textschnipsel aus meiner Buchstabenmühle versammelt.

 

Sie können hier Auschnitte aus verschiedenen Büchern lesen, ab und zu ein Gedicht oder auch einmal eine kurze Geschichte.

 

Vielfalt soll Trumpf sein. Ich lasse mich nicht gerne auf ein Genre festlegen und so werden sie hier immer wieder anderesartiges finden können. Lassen Sie sich überraschen!

Ach ja …

 

Ältere Beiträge werden nach einer Weile wieder gelöscht … die Seite würde sonst unübersichtlich. Wenn Sie also nichts versäumen wollen, schauen Sie ruhig öfter vorbei!

 

Und nun: Viel Freude beim Schmökern!

Walzenstuhl1

Textschnipsel  #6

 

Infekt

 

Erst kratzt es leis im Hals und dann …

dann fällt es gleich den ganzen Mann.

Husten, Schnupfen, Atemnot.

Ich fühl mich schlapp, bin fast halbtot.

Nachts, da hock ich auf dem Steiß.

Lieg ich, krieg ich Hustenreiz

und bell den Mond an wie ein Hund.

Der Hals wird so ganz rot und wund.

Wenn ich nicht mit Husten kämpfe

schnauf ich fleißig Nebeldämpfe,

inhaliere ohn‘ Verdruss,

bis ich wieder husten muss.

Nun endlich ist es fast vorüber.

Auch das Schlafen klappt nun wieder.

Weils viral war, half kaum was.

Der Infekt ist echt kein Spaß!

 
Allen, denen es gerade nicht gut geht,
wünsche ich gute Besserung!

Textschnipsel #5

Bumerangwerfen im Englischen Garten

Wenn man nach Australien reist, ist ein Bumerang ein sehr praktisches Mitbringsel. Er ist flach, leicht und typisch. Und wer freut sich nicht, wenn er solch einen treuen Stock geschenkt bekommt, der zum Werfer zurückkehrt. Auch ich bekam einen Bumerang mitgebracht und auch ich froh und dankbar.

Froh war ich aber nur, bis ich das Geschenk zum ersten Mal ausprobiert hatte. Da stellte ich dann fest, dass zwar jedermann einen Bumerang werfen kann. Doch leider kann längst nicht jeder das Sportgerät so werfen, dass es auch wieder zurückkommt. Die Flugbahn kehrte sich allenfalls zufällig wieder in meine Richtung, blieb aber, wenn man ehrlich war, völlig unberechenbar. Das war kein Wurfsport, es war eher eine sehr dämliche und potentiell gefährliche Art, kreuz und quer auf einer großen Wiese zu spazieren, um den Bumerang wieder einzusammeln.

Diese Situation fand ich sehr unbefriedigend und wollte unbedingt lernen, den Bumerang richtig zu werfen. Heute würde man bei YouTube sich solange ein Tutorial nach dem anderen ansehen, bis man eines findet, dass einem die Kunst so erklärt, dass man begreift, worauf es ankommt. Ich aber hatte damals nur ein schlecht kopiertes Zettelchen, das auf Englisch in Stichwörtern und Winkelangaben sehr dürftige Hilfestellung gab. Doch davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen.

Ein weiteres Problem beim Werfen des eigenwilligen Fluggerätes war der Platz. In München eine ausreichend große Fläche zum Üben zu finden ist schwer. Der Ort muss sehr groß sein, glauben sie mir. Besonders beim Anfänger. Ein Fußballplatz kann da rasch zu klein werden. An einem schönen Nachmittag wurde ich im Englischen Garten fündig. Aber es gab einen kleinen Haken: Es waren eigentlich zwei Wiesen, die mir diesen Platz boten und mittendurch floss der Schwabinger Bach. Doch eine besseren Wiese fand ich nicht. Nicht in der Innenstadt zumindest. So positionierte ich mich in der Mitte, möglichst weit von allen Hindernissen und Opfern entfernt und prüfte den Wind. Die komplexe Aerodynamik erfordert einen Wurf gegen den Wind! Und der wehte ausgerechnet von Osten her – über den Bach hinweg. Konnte ich hier üben? Ich musste mein kostbares Sportgerät über den Bach hinweg auf die andere Seite werfen. Und er würde vermutlich nicht zurückkehren. Ihn zu holen, bedeutete, die zweihundert Meter zur Brücke bachab zu laufen, drüben wieder bachauf, den Bumerang zu suchen, und dann zurückzukehren. Jeder Fehlwurf würde sehr große Unannehmlichkeit bedeuten.

Ich beschloss kühn, genau diesen Umstand als Vorteil und Herausforderung zu betrachten. Es ging ja genau darum, dass der Bumerang zurückkam und Fehlwürfe zu vermeiden. Den mühsamen Umweg betrachtete ich nun als Ansporn.

Ich warf sehr bewusst, und kontrolliert … und trabte zur Brücke. Als ich den Bumerang wieder hatte und auf Position war, versuchte ich es erneut, änderte aber den Winkel. Wieder musste ich auf die andere Seite. Dieses Mal hatte der Bumerang aber schon wieder den Rückweg angetreten, nur war er nicht weit genug gekommen. Ich war auf dem richtigen Weg. Der dritte Wurf war auch noch nicht perfekt, aber noch einmal besser. Und der vierte lag dann schon auf der richtigen Seite des Baches. Bei siebten Mal hatte ich geschludert und wurde wieder mit einem Fußmarsch nach drüben bestraft. Doch beim zehnten Wurf konnte ich zum ersten Mal meinen Bumerang wieder fangen! Ich hatte das Prinzip nun endlich begriffen und die Kombination aus Schwung, Kraft, Winkel, Neigung und Spinn endlich verinnerlicht.

Bis zum Abenddämmern schwirrte mein Bumerang immer wieder über den Schwabinger Bach hinweg, kreiste in ein paar Metern Höhe über der Wiese im Osten, kehrte dann zurück, wurde dann langsamer und sank zu Boden, falls ich ihn nicht fangen konnte.

Wenn Sie also selbst einmal das Bumerangwerfen versuchen wollen, wissen Sie nun, wo sie es üben können.

ältere Textschnipsel

Textschnipsel #1 aus ‚Echo Hall‘

Wie wäre es mit einem Häppchen aus „Joana auf Echo-Hall“? Dieses Stück ist aus dem ersten Kapitel.

Dann aber kam der Tag, an dem sich das Leben für Joana änderte. Plötzlich sollte sie wegziehen ziehen – aufs Land.

»Ich bin krank. Schlimm krank«, erklärte ihre Mutter ihr. »Ich muss mich operieren lassen. Darum muss ich ins Krankenhaus, und selbst danach muss ich mich noch eine ganze Weile erholen. Ich kann mich da nicht so um dich kümmern, wie ich es möchte. Alleine kann ich dich auch nicht in der Wohnung lassen. Du wirst den Sommer bei Tante Hilda verbringen.«

Joana protestierte, sie weinte sogar ein wenig, doch dieses Mal ließ Mama nicht mit sich handeln.

»Glaub mir! Du wirst es gut haben bei Tante Hilda. Sie ist Hausdame in einem großen Anwesen bei einem vornehmen Mann, Sir Albert. Es wird dir dort gefallen.«

Drei Tage später saß sie allein im Zug. Schon beim Einsteigen wusste Joana genau, dass es ihr dort – ohne Mama und ihre Freundinnen – sicher nicht gefallen würde. Doch es half nichts. Der Zug fuhr unerbittlich weiter. Fort von ihrem Zuhause, in eine unbekannte Zukunft. Nach fast drei Stunden gab ihr der Schaffner Bescheid. Nur noch eine Station und sie würde am Ziel sein. So weit weg. Hier sah nichts aus wie daheim. Schon lange waren sie durch keine Städte mehr gekommen. Sie sah nur Dörfer vor dem Fenster oder Wiesen und Wald.

Als der Zug hielt, kletterte sie auf den leeren Bahnsteig. »Klapp« machte die Tür, es zischte und der Zug fuhr weiter. So stand Joana da mit ihrem Koffer und kam sich sehr verloren vor. Auf dem Bahnhofsvorplatz war es nicht besser. Auch hier war niemand. Dass in dieser Gegend Menschen wohnten, ließ nur ein Kirchturm hinter einem grünen Hügel erahnen. Joana begann sich zu fragen, ob sie falsch ausgestiegen war, doch der Name auf dem Stationsschild stimmte. Was war nur schief gelaufen? Mama hatte aufgeschrieben, dass ein Taxi am Bahnhof auf sie warten würde, doch es war keines da. Während sie noch überlegte, was sie nun tun könnte, fuhr ein großes schwarzes Auto vor. Es hatte ein Taxischild auf dem Dach.

So kam Joana Martin an einem Sonntag im Mai nach Echo-Hall. So hieß das Anwesen hinter dem kleinen Dörfchen und genau das – »Echo-Hall« – war auch auf dem großen Eisentor in der Gartenmauer zu lesen. Noch eine ganze Weile fuhr ihr Wagen auf einem Kiesweg durch einen großen Park voller efeuüberwucherter Bäume und verfilztem Gestrüpp. Dann endlich öffnete sich die Aussicht auf ein gepflegtes Stück Rasen. Darin erhob sich das große Haus.

Man hätte es als Schloss bezeichnen können. Doch man nannte man es in der Gegend – meist leise und hinter vor-gehaltener Hand – »das große Haus«, wenn man es überhaupt erwähnte, denn man sprach nur ungern vom großen Haus. Man hielt es für seltsam und der Hausherr war nicht beliebt. Doch das wusste Joana natürlich nicht.

Das Haus war alt, mit vielen Kaminen, Türmchen und so vielen hellgrünen Blechdächern, dass es so aussah, als hätten gleich mehrere verrückte Architekten auf ein und demselben Fleck jeder ein Schlösschen stellen wollen und sie ineinander stecken müssen.

Das Auto hielt vor einer großen Treppe unter einer hohen Tür und ließ Joana aussteigen. Ganz allein stieg sie mit ihrem Köfferchen hinauf. Einen Klingelknopf gab es nicht, nur einen grimmigen Löwenkopf als Türklopfer. Sollte sie es damit versuchen? Sie sah sich ratlos um. Hinter ihr fuhr der Wagen den gekiesten Weg zurück. Joana holte tief Luft, fasste sich ein Herz und wollte gerade klopfen, da ging die Tür auf und sie stand vor einer dürren Frau in einem langen, dunklen Kleid.

»Willkommen auf Echo-Hall, Joana!«

Textschnipsel #2 aus ‚der Tote am Kirchhturm‘

Aus „der Tote am Kirchturm“
Mein Hobbydetektiv, Metzgermeister Ludwig Wimmer, will wissen, wie schwer es wohl ist, an Cyankali zu kommen. So beschließt er, den Apotheker ausfragen. Aber so, dass der nicht ahnt, dass Wimmer in einem Giftmord ermittelt … ganz unauffällig, sozusagen.

Wimmer legte ein Päckchen Salbeipastillen auf den Ladentisch.

»Die hätt‘ ich gern, und dann brauch ich noch was anderes.«

»Was möchten sie denn gerne haben, Herr Wimmer?«

»Wissens, mir ham doch so einen Gartenschuppen. Und ich glaub, da hat sich a Ratz drin eing’richt. Der Ratz, der soll dran glauben. Mein Vater hat bei Ihrem Schwiegervater damals immer a weng Zyankali oder Blausäurezeugs g’kauft. Des hat damals prima geholfen. Was meinens denn, wieviel werd ich da brauchen?

Die Augen des Apothekers wurden, während Wimmer vom Ratz erzählte, immer größer und runder.

»Ja um Himmels willen, Herr Wimmer!«, rief er aus, als Wimmer geendet hatte. »Zyankali? Wissen Sie, wie gefährlich das ist?«

»Ja freilich! Den Ratz, den solls ja auch gleich richtig derwischen.«

»Für solche Probleme bekommen sie doch Fallen. Die kosten nicht viel und sind genauso tödlich. Nehmens doch bitte eine Falle und kein Gift.«

»Ha! Sie kennen den Ratz bei uns nicht. Meinens denn, wir hätten das mit der Falle nicht schon versucht? Da lacht der Ratz nur dreckad. Der is zu schlau. Erst löst er die Falle aus, dann frisst er den Köder. – Naaa, ich will an Zyankali. Bei meim Vattern hat des super funktioniert.« »Aber – Herr Wimmer, ich darf Ihnen doch gar kein Kaliumcyanid verkaufen.«

»Macht ja nix, ich will ja eh a Zyankali.«

»Das ist doch dasselbe. Wir nennen es nur anders. Die Fernsehspione sagen Zyankali, die Apotheker sagen Kaliumcyanid oder manchmal auch blausaures Kalium.«

»Und des dürfens mir nicht verkaufen? Aber mei Vattern hat damals …« »Herr Wimmer, das muss aber schon recht lang her sein. Wissen sie, früher, da hat man manches lockerer gesehen. Jetzt brauchen sie auf jeden Fall einen Giftschein, sie müssen ein Giftbuch führen, alles genau protokollieren und sie müssen den Zweck deklarieren – und zwar einen besseren als eine renitente Ratte! Wissen sie eigentlich, was für ein Teufelszeug sie da verlangen? Das ist ein hochpotentes Gift! Es kann über die Haut aufgenommen werden, über die Lungen und jede Schleimhaut, selbst eine winzige Dosis ist hochgefährlich. Sie können mit Ihrem Nager ganz leicht sich selbst und gleich die halbe Nachbarschaft vergiften. Von den Schäden, die das Zeug in der Umwelt anrichten kann, will ich gar nicht reden.«

Wimmer war zwar beeindruckt, zeigte es aber mit keiner Miene.»Sie können es mir also nicht verkaufen?«, fragte er und klang leicht begriffsstutzig.

Fink seufzte und ballte seine Hände zu Fäusten. Dann entspannte er sich und antwortete mit viel Geduld: »Nein. Ich kann es ihnen nicht verkaufen, weil ich es gar nicht dahabe. Kein normaler Mensch braucht so ein potentes Gift! Ich könnte es Ihnen zwar besorgen. Doch selbst, wenn ich es wollte: Das darf ich gar nicht, weil Sie es gar nicht erwerben dürfen. Außerdem ist es für Ihre Zwecke auch völlig ungeeignet. Sie sollten es noch einmal mit Fallen versuchen oder sie fragen im Gartenmarkt nach einem frei verkäuflichen Gift-Präparat gegen Nager, wenn sie zu Fallen kein Vertrauen haben.«

»Ach den Krampf, den was man da kaufen kann! Das Zeug taugt doch alles nix.« »Dann rufen sie sich halt einen Schädlingsbekämpfer, die haben andere Mittel.«

»Ham die auch a Zyankaliblaues Dingszeug?«

»Nein! Soweit ich weiß, nehmen die das schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Und zwar aus gutem Grund.«

»Aha. Hm. Und kann ich mir das selber herstellen?«

»Herr Wimmer!« Der Apotheker lief rot an. »Vergessen sie einfach Zyankali, Blausäure und jede andere Art von Gift. Mit einer entsprechenden Ausbildung kann man solche Stoffe zwar herstellen, aber sie können es nicht. Ich werde Ihnen sicher nicht verraten, wie es geht. Und selbst, wenn sie wissen, was sie brauchen und wissen, wie sie es machen müssen, können sie es noch immer nicht. Man braucht auch ein Labor. Am Küchenherd kommt man da nicht weit. Bitte hören sie auf mich. Denken sie gar nicht dran. Wenn sie es wirklich versuchen, dann bringen sie viel eher sich um als Ihr Ratzenviech!«

»Na, wenns meinen …«, brummte Wimmer, dann erlöste er den Apotheker, bezahlte seine Pastillen und ging. …

Textschnipsel #3 Flaschenpost aus dem Paradox

Aus Anlass des grassierenden Coronavirus und der mancherorts doch übertriebenen Sorge hier ein Text über eine wirklich fiese Epidemie:

Flaschenpost aus dem Paradox ein epidemologischer Drabble-Science-Fiction-Roman

Ich reiste tausend Jahre in die Zukunft und wurde dort krank. „Ein harmloser Infekt“, sagten sie. Falsch!

Bei der Coevolution von Keim und Mensch fehlten mir 1000 Jahre. Ich war schwer krank.

Sie sagten: „Reise noch weiter in die Zukunft, zu neuen Therapiemöglichkeiten!“

Fiebrig und vollgepumpt mit Medikamenten düste ich los. Doch ein Rechenfehler der Zieldatenberechnung schoss mich 2000 Jahre in die Vergangenheit zurück. Mein Infekt löste hier eine Pandemie aus. Von hundert überlebten drei.

Sie starben zu Tausenden, ich erholte mich langsam.

Nun bin ich gesund, doch meine Ahnen sind tot.

Wer liest dies?

Existiere ich überhaupt?

Scheiß Zeitparadoxon.

Textschnipsel #4 Hilflose Liebeserklärung

Von Zeit zu Zeit muss es sich reimen. Dann fließen mir Gedichte aus der Feder. Meist sind sie heiter, gelegentlich sind sie auch nachdenklich. Dieses ist eher in der albernen Ecke meines Versbeets gewachsen.

 

Hilflose Liebeserklärung

Von den Socken

zu den Locken

bist du toll.

Wenn ich dich beschreiben soll,

fällt mir nix ein.

Das ist gemein.

Doch Du bringst mich weiter,

behaupte ich heiter.

Ich weiß es genau:

Ohne Dich wär es grau.

Vielleicht bist Du kein Filmidol

und dennoch bist Du wundervoll.

Hätt‘ ich den Hollywoodboulevard,

Dein Stern wär langst schon da!

Du Sternchen, schöner als die Sterne !

Dich hab ich gerne!

Wenn ich an Dich denk,

dann als Geschenk!

Doch kann ich‘s nicht in Worte fassen

und muss Dich ungepriesen lassen.