Cosplayer

Sie scheint trotz Coronavirus stattzufinden: Die Leipiger Buchmesse. Hier ist auch die Comic- und Manga-Messe integriert. Das ist sinnvoll, denn auch das ist Literatur. Schön, dass alles unter einem Dach ist.

Die Mangas locken nicht nur Lesepublikum an, sondern noch ein besonderes Völkchen, die Cosplayer. Das sind die (meist jüngeren) Menschen, die sich wie ihre Vorbilder aus den japanischen Mangas und Animes verkleiden. Es gibt, wie bei vielen Hobbys, Gelegenheits-Cosplayer und Fanatiker.

Beim Cosplay wird dieser Unterschied sehr schnell offenbar: Wer nur mal mitmachen möchte, trägt meist ein Kostüm von der Stange, meist windige Fähnchen ohne die rechte Facon. Die wahre Cosplayerseele würde so etwas aber niemals anziehen. Deren Kostüme sind selbstgemacht, voller Liebe und mit detailversessener Hingabe. Wo Stoff nicht reicht wird mit Latex, Schaumstoffen und Blech weitergearbeitet. Oft entstehen so hochkomplexe Kunstwerke, in die der Träger gar nicht mehr allein einsteigen kann. Und wehe, die Blase drückt. Der Harndrang ist ja schon für die weiblichen Messebesucher auch ohne Kostüm immer ein Problem. Wie schwer haben es da aber Cosplayerinnen? Ob sie es ausschwitzen?

Es geht beim Cosplay ums Darstellen, die Lust am Verkleiden. Es geht um das Sehen und Gesehen werden. Aber vor allem um die Freude und die Freiheit. Das bedeutet auch, das jeder sein darf, wer er mag. So gibt es Blumenelfen vom dürr-knochigen Hochformat bis zum genussbejahenden Kugelform und auch bärtige Prinzessinen im Reifrock habe ich gesehen. Die Menschen sind, wie sie sind bzw. wie sie sich fühlen und das, was sie sein wollen. Das ist auch gut so, denn es sollen sich alle wohlfühlen, den Rest erledigt die Fantasie.

Vor inzwischen drei Jahren schrieb Kulturredakteur Carsten Otte vom SWR sehr von oben herab gegen diese – in seinen Augen – albernen, klamaukigen und auch obszönen Umtriebe, die mit der hochedlen Ernsthaftigkeit der Literatur, so wie er sie versteht, gar nicht zusammen passen will. Ich schrieb damals schon dagegen und finde auch heute noch, dass diese Sicht sehr einseitig und engstirnig ist. Literatur ist frei – auch die graphische Literatur. Auch dieser Markt ist vielschichtig. Es gibt Schund und Perlen, Revolutionäres und Bedeutungsloses. Aber es ist genauso Literatur, und eine, die ihr Publikum begeistert. Wie schön wäre es, wenn auch Krimis, Liebes- oder historische Romane ebenso viel Freude, Begeisterung und kreative Energie freisetzen könnten.

Cosplayer sind ein Zeichen für lebendige Lust am Lesen. Wer das behindern will, hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Ich bin dieses Jahr leider nicht auf der Messe, doch ich freue mich an dm bunten Völkchen, wann immer ich es sehe.

(c) Bild: unsplash-user Daniel Lombraña González, frei nach Unsplash-Lizenz

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