Sex im Roman

Es ist beim Schreiben hin und wieder ein Problem: Sex. Wie beschreibt man ihn? Wer Erotik oder gar Einhandliteratur schreibt, darf und muss sogar ins Saftige greifen, um die Lust, den Rausch und die Sensation des Vermischens der Säfte plastisch zu Papier zu bringen. Doch dies sind eher spezielle Genre. Bei den meisten anderen stellt sich die Frage: Wie beschreibe ich den Geschlechtsakt so, dass es geschmackvoll bleibt.

Es ist wohl immer ein Drahtseilakt. Es soll plastisch sein, aber nicht derb, es soll lustvoll sein, aber nicht dreckig und vor allem: Die Hauptakteure sollen bitte die beteiligten Figuren sein und nicht nur ihre Geschlechtsteile. Man kann sogar ins Lächerliche abdriften, wenn man es mit reifen Feigen, Pflaumen oder Liebesspeeren übertreibt. Wer gar versucht, einen „Rammbock aus geilem Fleisch in eine Erdbeermuschel zu treiben“, sollte von der Sprachpolizei wegen grobem Unfugs und schwerem Methaphernmissbrauchs ins Loch geworfen werden, um dort eine Terrine Buchstabensuppe zu einem Unterhaltungsroman zu sortieren. Auch wer versucht den Liebeskombattanten einen Dialog wörtlich abzulauschen, muss allzuoft scheitern: „Ja, ja, ja, oh Gott ich komme!“ – „Oh Gott! Oh Gott! Oh ja, gleich spritz ich ab!“ gibt wirklich nicht viel her.

Ich denke, bevor man es schlecht macht, lässt man es besser sein. Ich bewundere alle Kolleginnen und Kollegen, die dieses Kunststück zuwege bringen. Susanne Pavlovich gehört dazu. In ihrem auch ansonsten sehr gelungenen Roman „Das Spielmannslied“ zeigt sie, dass es doch gelingen kann die Ekstase originell, dezent und geschmackvoll einzufangen. Doch diese Gabe, man kann es allzuoft lesen, ist nicht jedem gegeben.

Es bleibt also stets eine Herausforderung, denn unsere Figuren haben nun mal Sex und der gehört gelegentlich zur Geschichte und kann nicht verschwiegen werden kann. Was soll man da machen? Es gibt keine Ideallösung, die man allen empfehlen kann. Ich habe nur eine Lösung für mich gefunden.

Ich frage meine Protagonisten. Ok … bisher war es bei all meinen Büchern vor allem eine Figur – Lupina. Meine toughe Halblingsdetektvin hat ein Sexualleben und es ist für die Geschichten wichtig. Ich fragte sie also, wie sehr ich bei den Beschreibungen ins Detail gehen darf. Sie meinte rundheraus, was unter der Bettdecke geschieht, sei ihre Privatsache und knallte mir, ihre Autor die Tür vor der Nase zu. Später, verschwitzt und glücklich entspannt in den Laken war ich wieder zugelassen.

Es ist also weniger meine freie Entscheidung als Autor, als die Frage, was zu meinen Figuren passt und was ihr peinlich wäre und sie sozusagen gegen den Strich bürsten würde.

Und sind wir ehrlich: Der rein körperliche Akt beim Sex ist erzählerisch nur wenig ergiebig. Was der Sex mit uns macht, ist hingegen sehr spannend. Doch das kann vor- und nachher beschrieben werden. Dazwischen liegt eher gymnastische Sportberichterstattung! Die bringt weder die Handlung weiter noch klärt sie den Leser über Wichtiges auf. Darauf kann oft verzichtet werden.

Bild ist publik domain, gefunden auf Pixabay, CC0

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