Fehlerteufel

Der Text schon alt, aber leider immer wieder aktuell:

Der Teufel steckt im Detail, so heißt es. Als ich klein war, stellte ich mir das „Detail“ als eine mikroskopische kleine Hölle vor, eine Art Diorama: „Dantes Inferno im Fingerhut“. Erst später erschloss sich mir die Bedeutung der Redensart.

Dieser Tage kämpfe ich mit sehr vielen Details. Mit den Details meiner Romane, um die Texte fertig fürs Lektorat zu bekommen. Vielleicht ist es Übermüdung, doch inzwischen sehe ich hinter jedem Fehler, in jeder Ungereimtheit einen kleinen Teufel. Dieser Dämon grinst mich frech an und dreht mir eine Nase. Aber ich nehme den Kampf auf.

Bisher habe ich fröhlich vor mich hinkorrigiert und alles verbessert, was mir sprachlich ungefüge und unelegant schien. Etliche Verbesserungen waren zwar noch immer nicht gut. Manches Mal hat sich sogar ein peinlicher Tippfehler zusätzlich hineingemogelt. Das alles war aber nicht schlimm. Ich konnte den Fehler in der nächsten Runde wieder ausbessern, und wenn ich immer noch Stellen fand, die mir nicht gut schienen, oft genug waren es alte Bekannte, dann formulierte ich sie halt zum dritten, sechsten oder zehnten Mal.

Doch nun nicht mehr! Diese Korrekturrunde ist ziemlich die Letzte. Jetzt sollte der Text stimmen. Ich benutze zur Sicherheit nun extra die Rechtschreibprüfung mit einem jungfräulichen Thesaurus, um sicherzugehen, dass mir kein Fehler entwischt. Den alten Thesaurus hatte ich jahrelang benutzt und erweitert, leider auch mit einigen falschen Schreibversionen. Ich traute ihm nicht mehr. Also arbeite ich mit einen frischen und schlage den Fehlerteufeln ein Schnippchen. Dieses Manöver macht das Korrigieren allerdings langsam, denn ich muss den neuen Thesaurus erst einmal mit dem Vokabular des Romans füttern. Das Programm muss lernen, dass ein Halbling ein Halbling ist und nicht die Richtungsbezeichnung: halb links. Auch ist eine Orkvisage kein Orchestergraben. Es ist mühsam. Aber der Erfolg ist da: Es sind mir einige Rechtschreibfehler aufgefallen, die beim alten Thesaurus durch gerutscht sind.

Ein paar Rechtschreibfehler produzierte ich sogar mit dem neuen Thesaurus: „Es tut mir leid.“ soll laute Rechtschreibprüfung “Es tut mir Leid.“ heißen. Das kleine „leid“, aus „tut mir leid“ kannte der Automat noch nicht. Da bin ich eine Weile der Beschränktheit des Programms oder der Findigkeit des Fehlerteufels aufgesessen. Inzwischen habe ich in einem zusätzlichen Fenster das DWDS offen, das “Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.“, ein recht verlässliches Werk, das die Akademie der Wissenschaften in Berlin betreibt und gratis ins Netz gestellt hat. Der Dämon grollt mir zwar, aber soll er doch!

Er tröstet sich damit, dass es Fehler gibt, die auch der beste Thesaurus nicht finden kann und auch kein Wörterbuch: die Ungereimtheiten meiner eigenen Kreation: In Garbath kennt man beispielsweise keine Kartoffeln, jedoch ein anderes Knollengemüse, das ich zuerst Pataten, später Pataffeln genannt habe. Also darf mir im Text keine Patate oder Kartoffel mehr entkommen. Der Fluss, an dem Garbath liegt, heißt Illman. Oder war es Ilman mit nur einem „l“? Hieß der Schmied ein Kapitel zuvor noch Boraso oder Baroso? Es sind so viele Kleinigkeiten, die aber alle stimmen sollen.

All dieses Ungereimtheiten und Fehler notiere ich mir nun in ein kleines Notizbüchlein, um sie nach dem Ende der orthographischen Verbesserung mit „Suche/Ersetze“ zu lösen. Das Notizbuch schwillt. Es ist beinahe zum Heulen, wenn man sieht, wo der Fehlerteufel noch immer sein Unwesen treibt, und das bei einem Werk, das man eigentlich für fertig und weitgehend richtig gehalten hat.

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