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Hier finden Sie in loser Folge immer wieder Texte von mir.

 

Wenn mir etwas Spannendes über den Weg läuft oder etwas Heiteres, will ich es hier posten. Und dazwischen auch immer mal eine Leseprobe aus meinen Büchern. Auch Schreibtipps können dabei sein.

 

Zur besseren Orientierung finden sie Symbole neben den Beiträgen. Das Keyboard steht für meine Arbeit als Autor, das Buch kennzeichnet einen Ausschnitt aus einem meiner Bücher,  das Zahnrad weist auf einen Beitrag aus dem Literaturbetrieb hin und so weiter.

 

Alte Beiträge finden Sie noch eine Weile im passenden Menüpunkt.

 

Viel Spaß beim Lesen.

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SPruch der Woche KW 7

 

Ausnahmsweise mal etwas,

was ich selbst formuliert habe:

 

Einfach nur stinken ist nicht hilfreich. Doch ein laut knatternder Furz an der rechten Stelle hat Unterhaltungswert.

Blog Textschnipsel #5

Bumerangwerfen im Englischen Garten

Wenn man nach Australien reist, ist ein Bumerang ein sehr praktisches Mitbringsel. Er ist flach, leicht und typisch. Und wer freut sich nicht, wenn er solch einen treuen Stock geschenkt bekommt, der zum Werfer zurückkehrt. Auch ich bekam einen Bumerang mitgebracht und auch ich froh und dankbar.

Froh war ich aber nur, bis ich das Geschenk zum ersten Mal ausprobiert hatte. Da stellte ich dann fest, dass zwar jedermann einen Bumerang werfen kann. Doch leider kann längst nicht jeder das Sportgerät so werfen, dass es auch wieder zurückkommt. Die Flugbahn kehrte sich allenfalls zufällig wieder in meine Richtung, blieb aber, wenn man ehrlich war, völlig unberechenbar. Das war kein Wurfsport, es war eher eine sehr dämliche und potentiell gefährliche Art, kreuz und quer auf einer großen Wiese zu spazieren, um den Bumerang wieder einzusammeln.

Diese Situation fand ich sehr unbefriedigend und wollte unbedingt lernen, den Bumerang richtig zu werfen. Heute würde man bei YouTube sich solange ein Tutorial nach dem anderen ansehen, bis man eines findet, dass einem die Kunst so erklärt, dass man begreift, worauf es ankommt. Ich aber hatte damals nur ein schlecht kopiertes Zettelchen, das auf Englisch in Stichwörtern und Winkelangaben sehr dürftige Hilfestellung gab. Doch davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen.

Ein weiteres Problem beim Werfen des eigenwilligen Fluggerätes war der Platz. In München eine ausreichend große Fläche zum Üben zu finden ist schwer. Der Ort muss sehr groß sein, glauben sie mir. Besonders beim Anfänger. Ein Fußballplatz kann da rasch zu klein werden. An einem schönen Nachmittag wurde ich im Englischen Garten fündig. Aber es gab einen kleinen Haken: Es waren eigentlich zwei Wiesen, die mir diesen Platz boten und mittendurch floss der Schwabinger Bach. Doch eine besseren Wiese fand ich nicht. Nicht in der Innenstadt zumindest. So positionierte ich mich in der Mitte, möglichst weit von allen Hindernissen und Opfern entfernt und prüfte den Wind. Die komplexe Aerodynamik erfordert einen Wurf gegen den Wind! Und der wehte ausgerechnet von Osten her – über den Bach hinweg. Konnte ich hier üben? Ich musste mein kostbares Sportgerät über den Bach hinweg auf die andere Seite werfen. Und er würde vermutlich nicht zurückkehren. Ihn zu holen, bedeutete, die zweihundert Meter zur Brücke bachab zu laufen, drüben wieder bachauf, den Bumerang zu suchen, und dann zurückzukehren. Jeder Fehlwurf würde sehr große Unannehmlichkeit bedeuten.

Ich beschloss kühn, genau diesen Umstand als Vorteil und Herausforderung zu betrachten. Es ging ja genau darum, dass der Bumerang zurückkam und Fehlwürfe zu vermeiden. Den mühsamen Umweg betrachtete ich nun als Ansporn.

Ich warf sehr bewusst, und kontrolliert … und trabte zur Brücke. Als ich den Bumerang wieder hatte und auf Position war, versuchte ich es erneut, änderte aber den Winkel. Wieder musste ich auf die andere Seite. Dieses Mal hatte der Bumerang aber schon wieder den Rückweg angetreten, nur war er nicht weit genug gekommen. Ich war auf dem richtigen Weg. Der dritte Wurf war auch noch nicht perfekt, aber noch einmal besser. Und der vierte lag dann schon auf der richtigen Seite des Baches. Bei siebten Mal hatte ich geschludert und wurde wieder mit einem Fußmarsch nach drüben bestraft. Doch beim zehnten Wurf konnte ich zum ersten Mal meinen Bumerang wieder fangen! Ich hatte das Prinzip nun endlich begriffen und die Kombination aus Schwung, Kraft, Winkel, Neigung und Spinn endlich verinnerlicht.

Bis zum Abenddämmern schwirrte mein Bumerang immer wieder über den Schwabinger Bach hinweg, kreiste in ein paar Metern Höhe über der Wiese im Osten, kehrte dann zurück, wurde dann langsamer und sank zu Boden, falls ich ihn nicht fangen konnte.

Wenn Sie also selbst einmal das Bumerangwerfen versuchen wollen, wissen Sie nun, wo sie es üben können.

Blogbeitrag  Autorenleben  # 6

 Die moderne Bücherei

 

1973 oder 1974 war es. Da lernte ich ein Wunderland kennen, das mich auch heute noch anzieht und fasziniert: Die Leihbücherei! Damals war sie noch im ersten Stock eines alten Feuerwehrhauses untergebracht. Es war eng, muffig und vollgerammelt mit Büchern. Nicht das beste Beispiel einer Bücherei, aber dennoch: Ich fand es toll – jede Menge Bücher, die man ansehen konnte! Und auch ausleihen!!! Ich war begeistert.

 

Ein paar Jahre später war diese Bücherei in neue Räumlichkeiten umgezogen, in den Keller des Rathauses. Dort war deutlich mehr Platz, Luft  und es war weniger „kruschtig“. Dort entdeckte ich dann zwei ein wunderbare Hilfsmittel: Den Katalogschrank und das Sigel, die kryptische Zeichenfolge, die den Buchstandort eines Buches in den Regalen verrät.

 

Ich ging gern dorthin. Auch wenn es da strenge Regeln gab: Man musste RUHIG sein. Es wurde bitte nur am Tisch der bebrillten Bibliothekarin gesprochen, und auch da nur im Flüsterton. Das war eigentlich kaum notwendig. Denn es wurde meines Wissens in der Bibliothek nicht gearbeitet, wenn man von den Gemeindebuchwarten absah. Keiner saß an einem Tisch und machte Notizen, die er sich in einem Stapel Bücher zusammenblätterte. Es war ein ganz grundsätzliches „Psssst!“. Begeisterte Ausrufe von kleinen Kindern an den Bilderbuchkisten wurden auf einen strengen Blick durch die Brille an der Buchrückgabe von ihren Müttern auf ein für Kinder kaum erträgliches Maß gedämpft. Essen und Trinken musste man nicht verbieten. Daran war gar nicht zu denken.

 

Noch immer bin ich gern in einer Bücherei. Doch es hat sich allerhand geändert. Vor allem die „Bitte RUHE!“-Schilder wurden ausrangiert. Und vielerorts gibt es Kaffee und sogar Gebäck – in der Bücherei! Es ist ein inzwischen etabliertes Konzept, in öffentlichen Büchereien Cafés zu integrieren. Heute machen Schüler hier Hausaufgaben, auch zusammen, und dabei kann man sich nicht nur mit fliegenden Händen verständigen. Die Leseförderung wird groß geschrieben und das bei Groß und Klein. Man kann zwischen den Regalen ab und zu übernachten und landauf-landab gibt es tolle Kooperationen mit den örtlichen Schulen. Bibliotheksführungen für Schulklassen sind ein wesentlicher Teil der Arbeit.

 

All dies läuft auf eine sachte aber wichtige Verschiebung des Fokus hinaus: Die Büchereien haben sich gewandelt, weg von still-weihevollen Hort der Bücher hin zum Treffpunkt von Lesern und Buchliebhabern. Das ist gut so. So sind steht nicht mehr das tote Holz im Mittelpunkt sondern der Mensch.

 

Auch für uns Autoren ist das sehr erfreulich. Viele Büchereien – auch sehr kleine – veranstalten Lesungen. Diese oft eher kleinen Veranstaltungen werden vielfach gut besucht. So werden Büchereien zunehmend attraktiver für die Besucher, die ja auch unsere Leser sind. Was oftmals noch ein Problem darstellt, ist die mangelnde finanzielle Ausstattung der Bibliotheken: Es gibt zu oft keinen Etat für solche Veranstaltungen. So muss aus diversen Töpfen Geld zusammengekratzt werden, um einen Autor wenigstens eine kleine Gage zu bezahlen. Da sollten die entscheidenden Gremien aufgeklärt werden und Nachbesserung tut Not. Denn eine Bücherei zu haben ist sinnlos, wenn sie keine Leser anlockt. Alles was eine Bücherei als Bücherei attraktiv macht, ist darum zu begrüßen und noch gibt es viele Innovationen, Initiativen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die noch unerschlossen und sogar unersonnen sind. Man hat viel erreicht und noch immer genug Luft nach oben.

 

Wir wünschen uns Bildung und eine Gesellschaft, Kultur nicht nur als die vordere Hälfte des „Kulturbeutel“ kennt. Darum brauchen wir das Lesen in der Mitte unserer Gesellschaft, immer noch, trotz Internet und 24/7-TV. Wir brauchen das Lesen und es muss Spaß machen. Büchereien können da ein ganz wichtiger Transformator sein!