Subject: TEST - Neues zum Juni
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Date: 05.06.2018 09:54
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Neues zum Juni
+++ Streitkultur +++ Zeichnen +++ Nachrichten +++ Datenschutz +++ Mehrarbeit +++ Radl-Madl +++ Fachchinesisch +++ Richtigstellung +++ Fremd-TV +++ Taxigespräch +++
 
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["Alexander Bálly"]
 
Alexander Bállys Autoren-Newsletter
Ausgabe zum Juni 2018

 
 
Es lenzt
 
Nun lenzt es. Es ist ein schönes Wort: Es lenzt. Es klingt aktiver als es wird Frühling. „Es lenzt“ muss sich nicht auf der Krücke eines Hilfszeitwort durch einen Text humpeln. Es passt zu dieser Jahreszeit, wo alles voller Saft und Kraft ist, treibt und wächst und voller Aktivität ist und vor Energie strotzt.
 
Jede Jahreszeit hat ihren Zauber, aber nichts ist so prickelnd und kraftvoll, wie diese Zeit des Jahres, in der das Jahr auf Touren kommt.

Genieße die Champagnerluft, die Wärme, das Leben. Macht Dir einen schönen … na Du weißt schon ...

Alexander
 
Bild: (c) M. Fein 
 
 
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Im Strauch
 
 
Im Busch spektakelts wild und laut,
so heftig, dass es mir fast graut!
Die Sprache, ich versteh sie nicht.
Der Sinn drängt dennoch an das Licht.
Es geht um Größe, könnt ich schwören:
„Ich bin der Stärkste“ kann man hören.
„Das stimmt nicht!“ Lauter Widerspruch.
„Noch mal so was und Kieferbruch!“
„Der Beste bist du sicher nicht.“
„Sagt welcher elend kleine Wicht?“
„Ihr seid ja beide nicht ganz klar!
Ich selbst, ich bin so wunderbar,
der Beste hier im ganzen Strauch!“
„Was für ein Quatsch, hörst du es auch?“
Die Halbportion hat Mus im Kopf!“
„Genau, wie du, du dummer Tropf!“
„Ich soll dich wohl mal wieder schlagen,
du lästigste von allen Plagen!“
„Du Schandfleck!“ „Strolch!“ „Du bist so dämlich!“
„Du lügst, denn du bist dümmer nämlich!“
So streiten sie voll Leidenschaft,
die Spatzen unsrer Nachbarschaft.
 
 
 (c) Clker-Free-Vector-Images via Pixabay (CC0)
 
 
 
 
Zeichnen
 
Ich bin eigentlich ein Schreiber. Und ich kenne meine Grenzen recht genau. Darum lasse ich in aller Regel die graphische Ausgestaltung sein, vom Schriftsatz einmal abgesehen. Wenn es jemand macht, der es gelernt hat und gut kann, ist es in jedem Fall besser. Wenn ich niemanden habe, dann ist es oft besser, keine Illustration zu haben.
 
Doch nun nicht! Nicht diesmal! Für ein Projekt brauche ich tatsächlich ein paar Zeichnungen. So konnte man mich ein Paar Tage lang auf einem schönen Schiff auf der Donau sehen, wie ich mit Tinte und Feder das eine oder andere hingetuscht habe, schräg vis á vis vom Budapester Parlament.
 
Die Ergebnisse? Nun … noch muss ich einiges nacharbeiten, doch ich bin nicht völlig unzufrieden. Für meine eingeschränkten Fähigkeiten habe ich es recht gut gemacht. Vielleicht kann ich hier bald einmal etwas zeigen.
 
Bild: (c) user 15299 bei Pixabay (CC0)
 
 
 
 
Ungarische Nachrichten
 
Meine liebe Frau und ich waren ein paar Tage in Ungarn und … ja, auch im Hotelzimmer kuckt man gelegentlich in die Glotze. Am zweiten Tag entdeckten wir sogar eine Viertelstunde deutsches Programm: es waren die Nachrichten.

Das war ein Augenöffner, denn von da an konnten wir alle Nachrichtensendungen im ungarischen Fernsehen verstehen. Alle Sender senden inhaltlich ähnliche Meldungen und ab dem dritten Tag war auch das Muster klar, nach dem die Nachrichten zusammengestellt wurden:
1. Meldung – Inland
Präsident Orban ist irgendwo und sagt etwas immens wichtiges. Alle klatschen und sind begeistert.
2. Meldung – Inland
Minister X ist irgendwo und sagt etwas ziemlich wichtiges. Die Menschen dort sind begeistert und versichern, wie toll sie alles finden, auch und vor allem den Kurs der Regierung.
3. Meldung – Ausland
Kanzelerin Merkel beharrt weiter auf ihrem weichen Kurs in der Flüchtlingsfrage, den das arme Ungarn auszubaden hat. Orban aber hält zum Glück hart dagegen.
4. Meldung – Ausland
Unruhen in Schweden/Dänemark/Holland, wo afrikanische Flüchtlinge einen Mülleimer umgeworfen haben sollen. Gut, dass Ungarn diesen Problemen beizeiten einen Riegel vorgeschoben hat.
5. Meldung – human Interest
Zum Muttertag besuchte ein gefürchteter Kinderchor ein Müttergenesungswerk, wo er den zur Flucht unfähigen Mamas ein Ständchen sang. Auch die Lokalen Kindergärten bastelten allerlei Muttertagliches und die Kinder überreichten die Gaben vor der Kamera.
6. Wetter und Verkehr
 
Ich muss zugeben, dass ich diese Uniformität und politische Zahnlosigkeit der Nachrichten mich entsetzt hat. Vor diesem Hintergrund ist es doppelt schlimm, dass im April die Oppositionszeitung „Magyar Nemzeti“ schloss, und auch den kritischen Radiosender Lanchid dichtgemacht wurde.
 
Zum ersten mal erlebte ich bewusst die Bedeutung der Pressefreiheit. Sie ist immens wichtig. Und immer wieder bedroht.
 
Bild (c) Pixabay-user 14398, CC0 
 
 
 
Datenschutzblüten
 
Unsere fürsorgliche Regierung hat das Europäische Gesetz umgesetzt und die Datenschutzgrundverordnung erlassen. Ursprünglich sollte dieses Gesetz dem Datensammeln und Handeln mit Privatdaten einen Riegel vorschieben. Was nun in fasziniered kurzsichtigem und partiell hirnlosem Eifer erlassen wurde – ohne genauere Hinweise auf Auslegung oder Art und Weise der Umsetzung, ist ein Monster, das beinahe jeden Websitenbetreiber an den Rand der Illegimität bringt und ihn mit absurd hohen Strafen belegt. Und es macht richtig viel Arbeit.

Als Autor bin ich ein Winz-Unternehmer und nun offiziell auch noch mein eigener Datenschutzbeauftragter. Als solcher muss ich wissen, wann ich wo von wem welche Daten zu welchem Zweck erhebe, an wen ich sie unter welchen Umständen weiterleite und wann ich sie lösche. Ich muss eine formelle Risikoabwägung für alle Eventualitäten vornehmen und einen Notfallplan vorbereiten. Und einen weiteren ellenlangen Disclaimer auf der Website veröffentlichen.
 
Wenn man das Gesetz genau betrachtet, tauschen wir ständig Daten aus. Wenn wir Waren bestellen, sind es Namen, Adresse und Teile der Bankverbindung. Aber auch die Produkte. Ohne das geht es nicht. Wenn wir eine Website besuchen, wird unsere IP übermittelt, wenn wir einen Kommentar hinterlassen, geht das auch nicht ohne Datenfußabdruck.

Das Gesetz geht aber noch weiter. Wenn jemand meinen Newsletter abbonieren will, sollte man eigentlich davon ausgehen, dass sein Wollen allein ausreicht. Nein. Er muss es doppelt bestätigen.
 
Das Gesetz treibt noch lustigere Blüten. Wenn Du eine meiner Visitenkarten annimmst, habe ich Dir meine Daten übermittelt. Das ist ja die Aufgabe der Visitenkarte. Keine Angst! Du darfst sie annehmen. Nur die Daten nutzen darfst Du nicht – strenggenommen! Ich muss ja aufgeklärt werden über Art und Umfang der Nutzung meiner Daten. Du musst mir erst eine Mail schreiben und mich informieren, damit ich dem auch widersprechen kann. Meine eMail-Adresse steht zum Glück auf der Visitenkarte. HALT! Diese Daten darfst Du ja noch gar nicht benutzen und die Katze beißt sich froh in den Schwanz!

Es wäre fast witzig, wenn es nicht so doof wäre und so viel Arbeit machen würde.

 
 
 
 
Alles neu macht der Mai
 
Und dann das auch noch! Erst vor einem Jahr habe ich meine Website komplett neu machen müssen. Dabei bin ich, als eine Art html-Analphabet , auf Baukastensysteme angewiesen.
 
Einen solchen hatte mein Webhoster im Programm. Doch oh weh! Dieser Baukasten ist nun nicht Datenschutzkonform. Der Hoster sorgte einen neuen, doch leider sind meine Websites nicht mit dem neuen Baukasten weiterzupflegen.
 
So muss ich nun meine Seiten komplett neu gestalten. Man hat ja sonst nichts zu tun. So bastle ich nun grummelig an meinem Webauftritt.

Immerhin wird er noch schoner, etwas schlanker und besser.

Wenigstens das.
 
 
 
Die Heilige Katharina
 
Vermutlich gab es sie nie wirklich, die Königstochter aus Zypern, die als Katharina von Alexandria als christliche Heldin und Märtyrerin bekannt wurde und es bis in die Top Seven brachte, zu einer der Damen unter den vierzehn Nothelfer.
 
Die Legende ist zwar weitgehend unbelegt, eine schöne Geschichte ist sie dennoch: Die gelehrte Jungfrau war dem Herrn geweiht und wurde nach Alexandria geschickt. Von dort sollte sie zu einem Kloster weiterreisen. Dazu kam es nicht.
 
Als sie nämlich dort die Christenverfolgung unter Kaiser Kaiser Maxentius (306–312), nach anderen Angaben unter Maximinus Daia (305–313) oder unter Maximian (286–305) erlebte, trat sie diesem entgegen. Statt Götzenbildern Menschenopfer darzubringen, sagte sie, solle er doch besser selbst Christ werden. In einer sich dann entspinnenden Diskussion obsiegte sie gegen 50 Philosphen und der erzürnte Kaiser befahl ihren Tod. Dazu sollte die arme Jungfrau von einer Maschine mit sägenbesetzten Rädern zerfetzt werden. Ein wackerer Engel zerstörte das Folterintrument und am Ende, nach allerlei weiteren Wundern, wurde sie geköpft, wobei sie aber Milch blutete, statt Blut.
 
Seit dem 7. Jahrhundert ist ihr Kult nachgewiesen. Noch heute gilt sie als die Beschützerin der Mädchen, Jungfrauen und Ehefrauen, der Philosophen, Theologen, Gelehrten, Lehrer, Studenten, Anwälte und Notare sowie allerlei Handwerksberufe.
 
Wäre die fromme und so kluge Jungfrau nur frei erfunden, wäre die Freude an der schönen Geschichte ungetrübt. Leider ist das nicht ganz so. Die Geschichte ist vermutlich die ins Gegenteil verkehrte und extrem überhöhte Geschichte einer anderen gelehrten Frau, nämlich der von Hypatia von Alexandria.
 
Sie wurde wohl um 355 geboren und lehrte in Alexandria öffentlich Mathematik, Astronomie und Philosphie. Sie war wohl der neoplatonischen Schule zuzuordnen, also einer nichtchristlichen Lehre in einer inzwischen christlich geprägten Gesellschaft. Lange lehrte sie unbehelligt, bis eigentlich politische Unruhen auch bestimmte philosophische Lehren – auch den Neoplatonismus – in den Fokus rückten. Als der streitbare Patriarch von Alexandria mit Hilfe von mehreren fanatischen Mönchen gegen den Präfekten erfolgreich putschen konnte, rückte dessen Umfeld ins Fadenkreuz der christlichen Fanatiker und damit auch die pagane Gelehrte Hypatia. Der Mob schleifte sie in eine Kirche und brachte sie um.

Und dann schämt man sich und erfindet einfach die Katharina und schafft so schönere – alternative – Fakten.
 
Ganz schön frech ... und modern.
 
(c) Bild: Pixabayuser murati (CC0)
 
 
 
Richtigstellung!
 
Noch ein mal der Kampf mit dem Ungarischen

Richtigstellung: Meine Ungarischlehrerin wies mich darauf hin, dass ich im Mai bei meinen Beispielen zu der Eigenart des Ungarischen, möglichst viele Anhängsel an ein Wort zu hängen, sehr vieles falsch, war. Manches, Artikel oder Akzente, waren falsch, ich machte einige Vokallängungen nicht, wo ich sich hätte machen müssen und manches machte ich grundsätzlich falsch.

Ich bitte alle, die Ungarisch können, in Demut um Verzeihung. Die allgemeine Methode mag ich illustriert haben, doch keinesfalls wollte ich die Sprache, mit der ich ringe verunstalten und falsch darstellen.
 
Bild: (c) Alexander Bálly unter Verwendung einer gemeinfreien Vorlage (CC0)
 
 
 
Autorenfachchinesisch für Laien –
Betaleser
 
Gute Betaleser sind ein Schatz. Es sind ein paar wenige ausgewählte Menschen, die ein Werk vorab lesen sollen, um einem Autor ein erstes Feedback zu geben. Sie sollen als unvoreingenommene Leser sagen, wo es in der Geschichte noch knirscht.
 
Man sollte sie gut auswählen: Ein Betaleser sollte sehr kritisch sein. Wichtig ist auch eine gewisse Stilsicherheit und ein Auge für logische Unzulänglichkeiten. Vor allem aber soll er nicht nur lustvoll motzen, sondern mir als Autor das Gefühl geben, mir bei ihrem Projekt helfen zu wollen.
 
Ideal ist eine Kombination aus scharfem Blick für die Unzulänglichkeiten ihres Werkes, und Sympathie für ihre Person, damit die Kritik auch freundlich verpackt wird. Zwei oder drei gut gewählte Betaleser sind hilfreich, mehr Betaleser bringen kaum mehr Input. Und zumindest ein Betaleser sollte in Zeichensetzung und Orthographie sicher sein.
 
Liebenswürdige Nettfinder, die kaum etwas kritisieren und alles nur interessant finden und am Ende feststellen: „Toll, das hätte ich gar nicht gedacht, dass du so etwas kannst!“, sind kaum geeignete Kandidaten. Sie helfen nicht weiter.
 
Gute Betaleser helfen mir als Autor sehr weiter. Und sie werden mit der Zeit immer besser. Ich arbeite mit einigen Betalesern seit Jahren wenn nicht sogar schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Machen sie am Ende den selben Job, wie ein Autor?

Die Arbeit ist sicher ähnlich und der Übergang  fließend. Natürlich darf auch ein Betaleser bei Schwachstellen nicht nur den Finger auf die Wunde legen. Wenn er eine elegante Lösung findet oder eine passende Formulierung, die das Problem umschifft, werde ich mich nicht wehren. Doch das ist einegentlich nicht seine ureigene Aufgabe. Wenn Betas es dennoch machen, gehen sie mit ihrer Hilfe weiter, als es ihre Auftrag beschreibt: Ein erstes Feedback liefern und zeigen, wo sie noch Schachpunkte hat.
 
Im Mai ist ein Werk wieder an meine Betas gegangen. Mein Dank geht an alle Betas, die mir und meinen Kollegen helfen.
Bild: (c) user Alexas_Fotos auf Pixabay, CC0
 
 
 
Erste Erfolge
Mein Kampf mit der Ungarischen Sprache (Teil 3)
 
Meine liebe Frau und ich waren ein paar Tage in Ungarn und … ja, auch im Hotelzimmer kuckt offene man gelegentlich in die Glotze. Unser Hotelfernseher hatte, so meinten wir zuerst, keinerlei deutsche Programme und so sahen wir einen Hollywoodfilm auf ungarisch.
 
Noch vor einem Jahr hatte solch ein Experiment immer zum selben Ergebnis geführt: Die Zuschauer, wir also, saßen da mit offenem Munde, verstanden nicht ein Wort und waren nach fünf Minuten völlig frustriert. Zu wenig gab es im Gehörten, was man identifizieren konnte und woran man sich bei der Suche nach einem Fitzelchen Sinn festhalten konnte.
 
Nun war das Erlebnis zum ersten Male ein anderers. Als erstes fiel auf, dass sowohl Julia Roberts als auch Mel Gibson und auch andere ein hervorragendes Ungarisch sprechen. Ich nahm es als Ansporn. Wenn sie das schaffen, will ich es auch können. Erst auf den Zweiten Blick wurde mir klar, dass sie natürlich synchronisiert wurden und dies in hervorragender Qualität, völlig lippensynchron. Die Zeiten sind vorbei, wo man sich über die mangelnde Qualität der ungarischen Versionen lustig machen kann. Dann aber stellten wir fest, dass wir endlich ein wenig in der ungarischischen Wortflut verstanden. Nicht viel, aber doch mehr als nichts. Ich denke, so 3 % habe ich verstanden und das ist ein bedeutender Fortschritt. Er ist zu wenig, sicher, aber doch genug, um der Handlung zu folgen und etwas von der groben Intention zu verstehen. Am Ende blieben sogar ein oder zwei Bröckchen hängen.

Schade, unser Fernseher bietet uns zur Zeit kein ungarisches Fernsehen an.
 
(c) Bild: User unsplash auf Pixabay
 
 
 
Wenn einer eine Reise macht ...
 
Diese Episode ist streng nach dem Leben geschildert, wobei ich einräumen muss, dass ich die vom Taxifahrer geführten Teile des Dialoges aus naheliegenden Gründen in künstlerischer Freiheit nachgezeichnet habe. Die aber macht sie keineswegs weniger wahr.
 
Der Gefangene des Sprach-Paradoxons
 
Ein Mensch, nicht ganz unmusikalisch und mit sportlichem Ehrgeiz gesegnet, begann einen Ungarischkurs zu belegen und lernte rund 7 Monate lang die Sprache. Leider fand der Kurs nur einmal in der Woche statt und in den recht häufigen Schulferien gar nicht.
 
So machte er leider nicht so schnell Fortschritte, wie er es sich erhoffte. Auch war das spezifische Lehrwerk, so gut es auch in der Methodik war, in einer Hinsicht nur wenig hilfreich: Seine Lektionen zeigten, wie man sich begrüßt und sich höflich vorstellt. Über die Monate wurde mit jeder neuen Lektion diese Kennenlern-Situation um einen Aspekt erweitert, um die Herkunft derer, die sich vorstellten, den Beruf, den Ehepartner oder zu welchem Zweck man Ungarisch lernt. Das alles sind sicherlich auch Themen, die man auch ausdrücken können sollte, doch auch nach mehr als einem halben Jahr waren sie immer noch in den Förmlichkeiten  der Vorstellung gefangen. Das half leider nicht, um eine Tasse Kaffee zu bestellen oder ein kühles Bier vom Fass. Jenseits dieser Vorstellungssituation blieb der Mann weitgehend hilf- und sprachlos.
 
Nach sieben Monaten reiste der Mann dann nach Ungarn und stellte fest, dass er inzwischen nur ein paar wenige brauchbare Sätze gelernt hatte. Sie besagten etwa soviel wie: „Verzeihen Sie mir, ich komme aus dem Ausland, aus Deutschland. Ich spreche kein Ungarisch. Es tut mir leid.“ Dies immerhin konnte er und mit etwas Glück klang auch die Ausprache nicht allzuschlecht.
 
So fasste sich der Mann in Budapest ein Herz, stieg in ein Taxi, begrüßte den Fahrer korrekt und nannte die Adresse. Als der Chauffeur dann ein wenig plaudern wollte, parierte sein Fahrgast dies mit seinem ganzen Können und sagte halbwegs flüssig und mit sorgfältiger Aussprache: „Elnesést, külföldi vagyok, Németorszagban. Nem besselék magyarul, semmi bej.“
 
Die Reaktion war bemerkenswert. Der Taxifahrer lachte und sprudelte daraufhin nur um so munterer auf Ungarisch. Der arme Mann verstand gar nichts und auch der Autor kann ab hier leider nur vermuten, was der Taxifaherer sagte:
 
„Den kannte ich auch noch nicht!“, wird er wohl gesagt haben. „Ich hab ja schon einige Witzbolde im Auto gehabt, aber die Nummer ist mir neu. Sagt mir der Kerl doch perfekt und formvollendet, dass er kein Ungarisch kann! Mensch! Damit solltest du im Cabaret auftreten! Ins Fernsehn musst du, Junge ins Fernsehen! Die Nummer ist echt lustig!“
 
Der Fahrgast stammelte nur noch „Nem tudom, semmi bej, Nemetorszagben vagok, magyarul nem tudom!“ (Ich versteh sie nicht, es tut mir leid. Ich komme aus Deutschland. Ungarisch kann ich nicht!), was aber der Taxifahrer aber seinerseits nur als Bestätigung verstand. „Natürlich, die Nummer musst Du jetzt durchhalten. Klar! Als Profi zieht man es dann einfach unerbittlich durch. Logisch! Sonst wird es ja nicht komisch!
 
„Nem tudom!“
 
„Sag mal Kumpel, wie reagieren den die anderen so? Ich nehme an, viele werden mit Dir ganz laut und sprechen ganz langsam, wie mit einem Deppen! Ist schon ein wenig entwürdigend, oder?“
 
„Äh …“
 
„Ist sicher auch ein interessanter Test für Soziologen und so. Verhaltensforschung bei Menschen, weisste? Du, ich hab mal gehört, da ham‘ sie mal zwei Irrenärzte in einen Raum gesetzt und vorher jedem insgeheim gesagt, der andere wär plemplem und würd sich für nen Psychologen halten. Und weißt Du was? Beide Irrenärzte ham‘ diese Diagnose promt bestätigen können.“
 
„Nem tudom … Nem besselek ...“
 
„Sag mal, mein Bester, sind wir vielleicht sogar bei der versteckten Kamera? Werden wir jetzt grade aufgenommen? Komm ich am Ende noch ins Fernsehen? Boa, ich packs nicht! Wahnsinn! Das ist ja cool! Schade, dass die Fahrt nicht weitergeht. So, wir sind am Ziel, 3150 Forint. Und Dir sag ich es jetzt extra nur auf Ungarisch. Damit Du nicht aus der Rolle fällst, mein Lieber. 3150 Forint.“
 
Der Fahrgast blickte verstohlen auf den Taxameter und kratzte die letzten Brocken Ungarisch zusammen, die er finden konnte. Zum Glück hatten sie die Zahlwörter im Kurs vor einem Monat kennengelernt. „Haromézeregyszázötven Forint?“
 
„Ganz richtig, mein „ausländischer“ Freund, 3150 Mücken! Von wegen, du kannst kein Ungarisch! Das kannst Du anderen erzählen. Ich bin nicht von gestern. Wenn ich das meinen Kollegen erzähle! Und bitte gib bitte Bescheid, wenn ihr die Sache im Fernsehen zeigt. Ruf einfach bei der Zentrale an, das genügt schon.“
 
Während das Taxi verschwand, blieb der Fahrgast ratlos zurück, ohne auch nur ein Wort dieses Redeschwalls verstanden zu haben. Er fragte sich, was da wohl schiefgegangen sein mag. Möglicherweise würde er ja diese Sprache niemals lernen.
 
(C) Bild: Gemeinfreies Bild eines Kunstwerkes von Courbet aus dem Jahr 1866, von Wikimedia Commons
 
Veranstaltungen

Das war schön ...
5.5.2018
Überraschungsgäste bei der Brezenrunde
 
Für diese Brezenrunde hatten wir gleich drei hochkrätige Gäste: Roland Scheerer las aus "Bleiziffer", seinem Roman, vor. Darum wollen wir es ein wenig geheimnisvoll halten. aber es wird sicher sehr schön und der Besuch wird sich lohnen! Eher aus der Slammerszene kommt der Zweite Autor, Korbinian Schmid. Den Reigen krönte aber Peter Zemla, der neue Pfaffenhofener Joseph-Maria-Lutz-Stipendiat, der erst seit wenigen Tagen den Flaschlturm bewohnt. Er brachte Ein-Satz-Kurzgeschichten mit.

Und ich habe es verpasst! Ich war in Urlaub. Ach ... Man kann nicht alles haben

Nun hat die Brezenrunde Pause, doch im Oktober startet sie in die dritte Runde!
 
 
Lesung am 4.5.2018
an der Thomas Mann-Schule in Budapest
 
Ich durfte an der deutschen Schule lesen und habe es sehr gern gemacht. Auch wenn der Weg dorthin ein wenig abenteuerlich war. Die Schule lag hoch oben auf einem Berg zwischen Villen, war die Lesung dann doch um so schöner.

Rund 120 Schüler saßen in der Aula und ließen sich auf Holledauer Mordtaten ein und fragten mir im Anschluss eifrig Löcher in den Bauch, oft auch sehr schöne Fragen.
 
Das Schönste war aber der Applaus. Der war so überwältigend, wie man es als Autor nicht oft erlebt.
 
Kommende Veranstaltungen
 
Freitag, 20. Juli, 20 Uhr
Heimat – unser Paradies. Der andere Hoagartn.
Pfarrsaal Niederscheyern
 
Lebendige Mundart der etwas anderen Art in Text und Musik, zwischen Dada, Humor und Satire: froh, frech und garantiert nicht altbacken.

Dieser Hoagartn ist wie seine Künstler: Modern, aktuell, witzig, spritzig, respektlos und auch ein wenig hinterfotzig. Und doch ist der Abend vor allem eines: Ein lebendiges Zeugnis der Heimatliebe. Mit Gerhard Trautmannsberger, Jens Rohrer und Michael von Benkel sowie Alexander Bálly, Gerhard Walter und dem Ingolstädter Impro-Theater Gscheiterhaufen.

Eintritt: VVK: 7 €/erm. 5 €, AK: 9 €/erm. 7 €
online-Tickets
 
Bitte beachtet:

Dieser Newsletter ist mit einem Programm eines Dienstleisters erstellt. Es scheint so zu sein, dass mich nicht alle mails erreichen, wenn ihr versucht, auf den Newsletter zu antworten.

Natürlich freue ich mich über jedes Feedback. Wenn es mich erreicht. Wenn Ihr sichergehen wollt, dann schreibt mir mit einer "frisch erstellten" Mail an:

alexander@alexander.bally.de

Danke,

Alexander



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